Tragetuchstoff ist aus Tragetüchern

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Tragetuchstoff ist eines der Buzz-Wörter in der Trageszene. Tragetuchstoff ist ein Muss, ein Hype, ausschließlich Tragehilfen aus diesem Material gelten als wirklich gut für dein Baby, so das einhellige Mantra der Szene.

Was aber die Definition für Tragetuchstoff ist, da sind sich die meisten Eltern und Tragegurus nicht wirklich einig.

In der technischen Fachsprache gibt es keinen Tragetuchstoff. Wer einmal versucht hat, in einem Stoffladen „Tragetuchstoff“ zu kaufen, einer Fachverkäuferin zu erklären, welchen Stoff man erwerben möchte oder naiv versucht, in einer Weberei „Tragetuchstoff“ als Meterware ab Lager zu erwerben, erntet mitleidiges Lächeln. 

(Stoff)technisch gesehen gibt es also keinen Tragetuchstoff. Genauso wenig wie es Hemdenstoff, Blusenstoff, Mützenstoff oder Jackenstoff gibt.

Tragetuchstoff ist ganz einfach der Stoff, aus dem Tragetuchhersteller ihre Tücher fertigen. Und der kann ganz schön unterschiedlich sein!

Doch woher kommt dieser Hype überhaupt?

Drehen wir die Zeit ein wenig zurück: Es war die Firma Hoppediz, die als erste den Begriff „Tragetuchstoff“ im Marketing verwendeten. Zur Markteinführung des Bondolinos warb Hoppediz 2007 damit,

„die erste Komforttrage, die aus dem querelastisch gewebten Stoff eines Tragetuchs gefertigt wird“,

auf den Markt gebracht zu haben. Nämlich aus genau dem gleichen Material, das sie selbst schon immer für ihre eigenen Tragetücher verwenden. Chapeau!

Kurz darauf folgten Tragehilfen anderer Tragetuchhersteller wie der DidyTai (2009) von Didymos, der StorchenCarrier (2009) von Storchenwiege und der Mysol (2009) von Girasol. Jeweils aus dem gleichen Material, aus dem die markeneigenen Tragetücher gefertigt werden.

Was sind nun die Eigenschaften eines (gewebten) Tragetuchstoffes?

Diagonalelastizität

Ganz klassisch gibt es vor allem die eine, die weithin bekannteste Definition: Ein gutes (gewebtes) Tragetuch und somit der verwendete gewebteTragetuchstoff sollten vor allem eines sein – diagonalelastisch!  In Kette und Schuss (also in der Länge und der Breite des Tuchs) muss ein gewebtes Tragetuch stabil sein und darf nicht nachgeben  – in der Diagonalen ist es elastisch und dehnbar.

Oftmals wird dafür auch (fälschlich) der Begriff „querelastisch“ verwendet – das ist jedoch nicht korrekt, denn in der Quere, also der Breite gibt ein gewebtes Tuch kaum nach. Es geht vielmehr immer um Diagonal-Elastizität. Seltsam, dass ausgerechnet Hoppediz trotzdem den Begriff „querelastisch“ benutzt in der Werbung.

Die sind doch alle anisotrop!

Und wie funktioniert das? Grundsätzlich gilt: Gewebte Stoffe haben eine besondere Eigenschaft, sie sind anisotrop.

Anisotropie bedeutet, die Eigenschaften eines Materials sind richtungsabhängig: Bei Einwirkung einer Kraft in Längsrichtung (Kette) oder Querrichtung (Schuss) geben Webstoffe kaum nach, die Krafteinwirkung zeigt keine Wirkung – bei Einwirkung einer Kraft in der Diagonalen (45°) dagegen sind Webstoffe diagonalelastisch und äußerst dehnbar, obwohl die verwendeten Garne selbst nicht elastisch sind. Aber: Dieser Grundsatz gilt grundsätzlich für alle gewebten Stoffe. Alle Webstoffe sind per Definition anisotrop und diagonalelastisch!

Wieso gibt es aber dann so viele Stimme, die behaupten, nur Stoffe in Kreuzköper-, Diamantköper- und Jaquard-Webung besitzen diese Diagonal-Elastizität?

Vielleicht einfach von der Beobachtung auf dem Markt, dass die bekanntesten und besten Tragetuch-Marken wie DIDYMOS oder Storchenwiege vor allem Kreuzköper, Diamantköper und Jaquard weben. Der vorhandene Markt, die bekannten Marken bestimmen also den Standard. Der Umkehrschluss ist jedoch falsch. Wer behauptet, Leinwandstoffe hätten diese Eigenschaft nicht, ist nicht korrekt informiert.  Stoffe in Leinwandbindung sind genauso diagonalelastisch wie alle Webstoffe.

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Den einfachen Selbsttest könnt ihr ganz einfach zuhause machen – mit Geschirrtüchern aus Eurer Küche: Geschirrtücher sind in der Regel einheitlich groß (meist 50x70cm) und insofern klasse zum Vergleichen. Es gibt sie in vielen verschiedenen Webarten – Leinwandbindung, Jaquard, einfacher Köper, Würfelbindung, Hohlgewebe, etc etc… und jeder Haushalt hat welche zuhause. Nehmt nun das jeweilige Geschirrtuch an den gegenüberliegenden Ecken, also in der Diagonalen und spannt es mit Kraft zwischen Euren beiden Händen.

Wie diagonalelastisch sind die verschiedenen Geschirrtücher? Spürt ihr einen Unterschied? Bei welcher Webtechnik ist er größer oder kleiner? Oder besteht gar kein Unterschied?

Wer es ganz genau nehmen will, nehme eine (freihängende) Küchenwaage oder ein Newton-Meter, hänge das Geschirrtuch an einer Ecke auf und befestige an der gegenüberliegenden Ecke mit einer Klemme ein Gewicht. So könnt ihr die jeweilige Diagonal-Elastizität direkt in cm vergleichen.[/yellow_box]

Was macht aber dann ein gutes Tragetuch bzw. guten Tragetuchstoff aus, wenn es nicht allein die Diagonalelastizität ist?

Auf die Bindung kommt es an.

Genauer gesagt, auf die Anzahl, Dichte und Verteilung der Bindungspunkte und auf die daraus resultierende Drapierfähigkeit und Schiebefestigkeit. Dazu ein kleiner Exkurs in die Webtechnik und Bindungslehre. In der Webkunst oder Tuchmacherkunst unterscheiden wir zwischen den drei Grundbindetechniken

  • Die Leinwandbindung
  • Die Köperbindung
  • Die Atlasbindung

Die einfache Leinwandbindung ist die Webtechnik mit den meisten „Bindungspunkten“, in denen sich Schussfaden und Kettfaden überkreuzen und Halt geben.  Bei der klassischen Leinwandbindung geht der Schussfaden je einmal über den Kettfaden obendrüber, dann einmal untendrunter, in der nächsten „Zeile“ dann um eines versetzt und immer so weiter. Eine klassische 1:1 Bindung, gleichmäßig, symmetrisch. Viele kennen das aus von den eigenen Webversuchen in  Kindergarten und der Grundschule. Diese Bindung ist besonders formstabil, zug- reiß- und schiebefest. Eben wegen den vielen gleichmäßig verteilten, sich gegenseitig berührenden und zusammenhängenden Bindungspunkten.

Die typsiche Optik dieser Bindung: Die Farben der Kett- und Schußfäden sind anteilig je zur Hälfte sichtbar und machen das typische Leinwandmuster aus.

[yellow_box]Hängematten beispielsweise sind traditionell aus Leinwandbindung hergestellt. Ein Geheimtipp unter Hängemattenfans ist es, sich nicht in Längsrichtung in die Hängematte zu legen, sondern schräg, also diagonal. So sei es am bequemsten und die Hängematte passe sich so der Körperform am besten an. Recht haben die Hängemattenexperten – denn genauso kommt die Diagonalelastizität des Webstoffes voll zur Wirkung![/yellow_box]

Interessant zu wissen: Viele Tragetücher, weltweit und in Europa, auch bekannte Marken, waren traditionell früher in einfacher Leinwandbindung gewebt. Manche neuen Marken und einige „handwovens“ sind es nun wieder.

Ebenfalls interessant zu wissen: Neben der klassischen 1:1 Leinwandbindung gibt es spannende Varianten wie die Panama-Bindung oder die Kautschuk-Bindung, die weniger Bindungspunkte aufweisen, zudem schöne Muster ergeben und ebenfalls seit vielen Jahren für Tragetücher eingesetzt werden. Nur redet keiner gerne darüber, dass es sich dabei im Grunde um eine Leinwandbindung handelt. Denn das ist nicht en vogue.

Die Köperbindung

Bei der einfachen Köperbindung geht der Schussfaden jeweils über 2 (oder mehr) Kettfäden obendrüber und unter nur 1 Kettfaden untendrunter. Eine 1:2 oder 3:1 Bindung also. In der nächsten „Zeile“ wird der Schuss um jeweils 1 Kettfaden versetzt, auf der Oberseite bildet sich der typische diagonale Grat der sich berührenden Bindungspunkte als Grundmuster, entweder einseitig nach links als S-Grat oder nach rechts als Z-Grat. Die Farbe des Schussfadens überwiegt dabei an der Oberseite – auf der Unterseite dominiert die Farbe der Kettfäden.

Ein klassisches Beispiel für die einfache Köperbindung ist Jeansstoff, der Denim, der an der Oberseite das typische jeansblau-Melange aufweist, auf der Innenseite dagegen überwiegt der weiße Grundton der Kettfäden.

Diese klassische Köperbindung ist zwar ebenfalls symmetrisch und gleichmäßig, der Twill, so die englische Bezeichnung, hat aber einen einseitigen Drill.

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Der Twill mit Drill: Jeder kennt das von engen Röhrenjeans, deren Hosenbeine stets die Tendenz haben sich in eine bestimmte Richtung zu verdrehen, in eben die Lieblingsrichtung, die der diagonale Köpergrat so schräg vorgibt. Auch diese Bindung ist diagonalelastisch, allerdings in der einen Diagonalen stärker als die andere.[/yellow_box]

Die Bindungspunkte bei dieser Köperbindung sind ebenso wie bei der Leinwandbindung immer noch fest miteinander verbunden, berühren sich und bilden den typischen Köpergrat.  Die Gesamt-Anzahl der Bindungspunkte ist jedoch geringer als bei der einfachen Leinwandbindung.  Bei einer 2:1 Bindung eben bis um ein Drittel weniger. Köperstoff wirkt deswegen weicher und lockerer als Leinwandbindung bei gleicher Fadendichte.

Diesen einseitigen Drill des klassischen Köpers will in der Tragetuchwelt jedoch niemand so wirklich haben.

Deswegen werden als Varianten des (einseitigen) Köpers die abgewandelten (symmetrischen) Bindungen des gebrochenen Kreuzköpers, Spitzköper, Rosengang, Zick-Zack-Köper, Pfauenauge, Fischgrats oder eben Diamantköper für Tragetücher verwendet. Diese Varianten sind symmetrisch und zeigen keinen durchlaufenden, einseitigen Köpergrat mehr im Webbild.

Die Atlasbindung

Bei der Atlasbindung, der dritten Grundbindung in der Webtechnik, oft auch Satinbindung genannt, gibt es die allerwenigsten Bindungspunkte. Der Schussfaden überspringt jeweils mindestens 3, häufiger sogar 5 oder noch mehr Kettfäden und geht nur einmal unter dem nächsten Kettfaden durch – beim nächsten Zeilensprung verschiebt sich das Muster i.d.R. um mindestens zwei Kettfäden- es wird bewusst vermieden, dass sich ein Grat oder deutlich sichtbare Bindungspunkte bilden.

Auf diese Weise überwiegen auf der Oberseite fast ausschließlich die Farbe und die Struktur der Schussfäden – es entsteht ein sehr gleichmäßiges, glattes Oberflächenbild. Glänzender, glatter Satin ist die typische Erscheinungsform einer sehr feinen Atlasbindung. Damast ist ein ebenso bekanntes Beispiel einer gemusterten Atlasbindung.

Gewebe in Atlasbindung haben per Definition so gut wie keine Bindungspunkte, die sich berühren – sie sind somit weniger formbeständig und schiebefest. Das gleiche gilt für die begehrten Jaquard-Webungen, die i.d.R. auf der Atlasbindung beruhen und wunderschöne graphische, mehrfarbige Muster möglich machen.

Ist das nun alles Schiebung?

Zusammengefasst ist ein ganz klarer Zusammenhang zwischen der gewählten Grundbindung und der Formbeständigkeit gegeben: Je geringer die Anzahl der Bindepunkte, desto geringer die Formeständigkeit, also die Schiebefestigkeit. Je geringer die Anzahl der Bindungspunkte, desto formbarer und anpassungsfähiger ist ein Gewebe!

In der Raumdekoration heißt diese Funktion Drapierfähigkeit – die Eigenschaft eines Gewebes sich (ohne Abnäher und Schnitteile) an eine dreidimensionale Form anzupassen.

Bindungen (c) TU Berlin
Bindungen (c) TU Berlin

Es gilt aber auch: Je höher die Drapierfähigkeit, desto instabiler ist das Gewebe in sich, es kann leichter zu Verschiebungen kommen und die Elastizität bzw. Stabilität ist je nach Muster sogar an verschiedenen Farb-Musterflächen innerhalb eines Stoffes unterschiedlich stark ausgeprägt. Speziell bei Jaquard-Mustern sind die Trageeigenschaften tatsächlich von Tuch zu Tuch, von Motiv zu Motiv, manchmal selbst innerhalb der gleichen Marke und vom gleichen Hersteller unterschiedlich.

Dicht und fein– die Fadendichte

Natürlich kann man die jeweiligen (gewünschten und unerwünschten) Effekte der einzelnen Bindungen mit entsprechendem KnowHow in der Webkunst ausgleichen. Denn die Belastbarkeit und Elastizität eines Gewebes wird letztendlich auch durch die Fadendichte, also die Anzahl der Fäden und Garne bezogen auf eine bestimmte Fläche, bestimmt

Um zum Beispiel die (zu) geringe Drapierfähigkeit bei der Leinwandbindung zu verbessern, kann die Fadendichte des Gewebes verringert werden.  (Dadurch verringert sich nicht nur die Anzahl der Bindungspunkte pro Fläche, sondern nebenbei auch das Flächengewicht und der Materialverbrauch).

Die sehr lockere (manchmal zu lockere) Atlasbindung kann dagegen durch eine erhöhte Fadendichte wiederum stabilisiert werden.  (Dadurch erhöht sich die Anzahl der Bindungspunkte pro Fläche, wobei der Materialverbrauch und das Flächengewicht zwangsläufig steigen).

Verzwirnt und zugenäht

Doch damit nicht genug – nun kommen auch noch die Garne ins Spiel.

Wie glatt oder griffig, wie hart oder weich, wie rutschig oder kuschelig ein Tragetuch letztendlich sein wird, hängt nicht zuletzt von den verwendeten Garnen ab.  Auch die Garnstärke, also die „Dicke“ der verwendeten Schuss– und Kettfäden (die wiederum die Fadendichte beeinflussen) ist mitverantwortlich für die Eigenschaften des Gewebes. Dazu kommt noch die Entscheidung, ob ausschließlich gezwirnte oder ungezwirnte Garne, Zweifach- oder DreifachZwirne oder eben unterschiedliche Garne und  Zwirne in Kette und Schuss miteinander verwoben werden.

Gewebe, die ausschließlich gezwirnte Garne verwenden, sind sehr langlebig und robust, fühlen sich meist eher glatt an, können aber nach dem Waschen „hart“ werden. Gewebe dagegen, die ausschließlich ungezwirnte Garne verwenden, sind kuschelig weich, pillen jedoch leichter. Auch hier gibt es keinen goldenen Standard. Während Storchenwiege ausschließlich gezwirnte Garne verwendet, setzt Didymos bewusst auf die Mischung und verarbeitet gezwirnte Garne in der Kette und ungezwirnte Doppel-Garne im Schuss. Beide Firmen produzieren erstklassige Tücher.

Es gibt noch viele, viele weitere Faktoren, die Einfluss auf das letztendlich produzierte Gewebe haben. Und die Profis aus der Weberei oder eben die renommierten Tragetuchhersteller wie z.B. Didymos, die wirklich alle Bindungen und Garne verwenden und erfolgreich einsetzen, könnten hier bestimmt noch viele Tage aus dem Nähkästchen plaudern und werden mich an vielen Stellen sicherlich auch noch korrigieren.

Was ich jedoch aufzeigen möchte, ist die immense Komplexität dieses Themas und die vielen verschiedenen Faktoren, die ein Gewebe erst zu dem machen, was es ist und was es letztendlich tragen und (aus)halten soll.

Was ich betonen möchte, ist die Vielzahl an möglichen Varianten, die zeigen, wie man mit ganz unterschiedlichen Techniken und Garnen letztendlich zu ein und demselben Ziel kommen kann, nämlich einen Stoff zu weben, der genau die richtige Kombination von Stabilität und Elastizität aufweist, um für Tragetücher (und Tragehilfen) eingesetzt werden zu können.

Vertrauen und Erfahrung – Was macht eine gute Marke aus?

Was ich letztendlich betonen möchte: Es gibt sie nicht, es gibt eben nicht die eine ideale Webung, nicht das eine beste Flächengewicht und nicht den einen klassischen Tragetuchstoff.

In den vergangenen 18 Jahren habe ich viele, viele Stoffe (und Tragetücher) in der Hand gehabt und getestet, als Muster und als fertig vernähte Tücher.

Ich habe Tragetücher und Stoffe getestet, die Kreuzköper gewebt waren und dennoch so steif und hart und unnachgiebig, dass ich nach den ersten Versuchen aufgegeben habe, diese zu binden oder irgendwie zu vernähen. Ich hatte auch kreuzköpergewebte Stoffe und Tücher in der Hand, die so locker und fluffig in der Webkonstruktion waren, dass sie gar keine Stabilität hatten, unter Gewichtsbelastung Beulen bildeten und ständig nachgezogen werden mussten.

Ich habe umgekehrt wunderbare Stoffe (und Tragetücher) in der Hand gehabt, in ganz unterschiedlichen Flächengewichten, aus ganz unterschiedlichen Garnen, in Leinwandbindung, in Köperbindung,  in Atlas-/ Satin-/ Jaquardwebung, von vielen verschiedenen bekannten und unbekannten Marken, die sich alle hervorragend als Tragetücher binden ließen.

Und ich äußere an dieser Stelle mein Bedauern, dass einige von ihnen wie z.B. die Tragetücher von LENYA und BEBINA sich nicht halten konnten und wieder vom Markt verschwunden sind…

Woran erkenne ich also nun, was ein „echter“ Tragetuchstoff ist?

Die Antwort: als Laie, als Eltern, als Trageneuling wahrscheinlich einfach gar nicht! Deswegen geht es auch in diesem Geschäft wie so oft um: Vertrauen!

Um Vertrauen in Marken und Namen und Hersteller, die durch jahrelanges, teilweise jahrzehntelanges Know-How und Erfahrung genau die vielen verschiedenen Stoffe entwickelt haben und weben, die sich auf dem Tragetuchmarkt bewähren.

Stoffe, die nicht erst „eingekuschelt“ und weichgeknetet werden müssen. Stoffe, die nicht ausleiern und durchhängen. Stoffe, die nicht pillen und auch nach Jahren noch gut aussehen.

Egal ob es sich dabei um Tücher und Stoffe in Panamabindung, leichtem Canvas, Kreuzköper, Spitzköper, Satin, Jaquard, DoubleFace oder einer Kombination daraus handelt.

Tragehilfen aus Tragetuchstoff

Doch wie kam ich überhaupt auf dieses Thema? Wie anfangs erwähnt, gehört es zum Mantra der Trageszene, dass nur Tragehilfen aus Tragetuchstoff als empfehlenswert zu gelten haben.  Eigentlich wollte ich ja darüber schreiben – nun bin ich abgeschweift….

Deswegen gibt es die kommenden Tage die Fortsetzung hier auf dem Blog.

21 Gedanken zu „Tragetuchstoff ist aus Tragetüchern

  1. Es spricht mir aus der Seele! ! Ich habe mich 5 Jahre während meiner Ausbildung mit Textilkunde beschäftigt. Und ich mag diese wunderschönen Tragetücher und ich besitze auch einige. Aber welcher Schmarrn in den Foren und tw auch von TB’s oft verzapft wird, da sträubt sich alles in mir.
    DANKE DANKE DANKE für deine tolle Zusammenfassung!!!
    You made my day ♡

  2. Danke Petra für diesen informativen Artikel! Durch das Tragen, Nähen und Stricken, bin ich auch etwas in die Textilkunde eingetaucht und hab schon gemerkt, dass so einiges, was immer weiter erzählt wird nicht so ganz stimmt. Und ja, ich hab auch schon meine Küchentücher auf ihre Diagonalelastizität getestet. 😉
    Eins meiner liebsten Tragetücher ist ein kuschelweiches Leinwandtuch aus Guetemala, das sich herrlich um Träger und Tragling schmiegt.

  3. ich liebe deine blogeinträge, so gut und genau, akribisch bis ins letzte detail recherchierst nur du. dankedankedanke! dieser eintrage sollte pflichtlektüre in ALLEN trageschulen sein, in ALLLLLLEN!

  4. Danke fürs Abschweifen!!!

    Das hätt ich ja gern in dem doch gut € kostenden TB Grundkurs gelernt. Aufruf ans Tragenetzwerk: Höhere Standards für die Ausbildung… Dann brauchen TBs in Foren sich auch nicht in Mutmaßungen verlieren.

  5. Vielen Dank für die tolle Erklärung. Ich suche gerade im Zuge meiner Bachelorarbeit nach einem Hängestuhl-tauglichen Stoff und das ist mehr als kompliziert. Langsam komme ich der Sache schon näher, aber leider kenne ich mich mit den ganzen Stabilitätskriterien überhaupt nicht aus….hast du vielleicht einen Tip für mich welchen Stoff ich da kaufen könnte?

  6. Danke für diesen interessanten und erhellenden Artikel, ich kann kaum den zweiten Teil erwarten.
    Irgendwie fehlt hier auf der Seite noch ein „Teilen“-Button für Facebook. Den habe ich gerade verzweifelt gesucht. 😉

  7. Was für ein toller und informativer Artikel. Tausend dank für die Erleuchtung. Ich dachte ich kann keine Sling allein nähen, aber jetzt weiß ich auf was ich achten muss.

  8. Erst spät gelesen aber musste gerade laut Lachen – danke dafür!

    Wir benutzen übrigens ein „elastisches“ (Böse ich weiss) kommt aber aus dem klinischen Bereich und ebenso weich und leicht zu binden wie stark. Leider werden elastische Tücher kaum ernst genommen, obwohl gerade da sehr viel Innovation passiert.

    LG

    Achso falls es interessiert http://vakemi.de

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