Tragehilfen

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Die Auswahl an Tragehilfen auf dem Markt ist mittlerweile sehr gross geworden.
Die meisten sind dafür konzipiert, das Kind senkrecht vor dem Bauch zu tragen, einige davon auch für das Tragen auf dem Rücken oder auf der Hüfte. 

Leider berücksichtigen nur wenige die speziellen anatomischen Besonderheiten von Säuglingen und Kleinkindern:

  • Säuglinge haben beispielsweise das Doppel-S der Wirbelsäule noch nicht ausgebildet (ansonsten hätten sie wohl auch kaum zusammengerollt in den Mutterleib gepasst), damit aber auch keine Möglichkeit, in der senkrechten Haltung schon selbst Stösse (beim Gehen etc.) abzufangen
  • Die Rückenmuskulatur ist noch nicht stark genug, so dass Babys unter 6 Monaten noch in sich zusammensacken, wenn sie senkrecht getragen und nicht genügend unterstützt werden, was langfristig zu einem Rundrücken führen könnte
  • Der Kopf von Säuglingen ist im Vergleich zum restlichen Körper relativ gross und schwer (weswegen Kinder unter 1 Jahr im Auto auch stets gegen die Fahrtrichtung angeschnallt werden sollten) und kann erst mit einigen Monaten über längere Zeit selbständig gehalten werden.
  • Bereits (oder gerade) Neugeborene weisen eine typische "Spreiz-Anhock-Haltung" auf, das heisst die Hüftgelenke sind nach vorne orientiert, die Oberschenkel ungefähr im 90°-Winkel zueinander gespreizt und im gleichen Winkel nach vorne-oben angehockt.
  • Eine gestreckte Beinhaltung ist unnatürlich und kann ( vor allem bei entsprechender Veranlagung) die korrekte Ausbildung der Hüftgelenkpfanne behindern, schlimmstenfalls diese sogar schädigen ("Hüftdysplasie")
  • Und nicht zu vergessen: Babys wachsen in den ersten Monaten enorm schnell!

Entsprechend sollten gute Tragehilfen

  • gerade im Bereich des Rückens möglichst eng anliegen und eine stützende Funktion übernehmen können. Das Kind darf dabei weder zur Seite wegkippen, noch in sich zusammensacken!
  • Das Rückenteil einer Tragehilfe muss über den Kopf des Säuglings hinausragen und auch seitlich stützen können, der Kopf darf auch im Schlaf weder nach hinten noch zur Seite wegknicken!
  • Deswegen sollten Tragehilfen in der Weite mehrfach stufenlos verstellbar sein und auch in der Länge und im Kopfbereich genügend Spielraum für das wachsende Kind aufweisen
  • Der Steg zwischen den beiden Beinen darf nicht zu weich und vor allem nicht zu schmal ausfallen (ideal: Weite am Oberkörper = Breite des Stegs zwischen den Beinen), da die Beine ansonsten gerade herunterhängen
  • Die Beinöffnungen sollen zur Seite und keinesfalls nach unten zeigen, um eine erzwungene Streckung der Oberschenkel zu verhindern!
  • das Tragen mit dem Gesicht nach vorne sollte erst gar nicht ermöglicht werden  - denn diese Position erzwingt nicht nur ein künstliches Hohlkreuz, sondern auch eine unnatürliche Streckung der Oberschenkel, was die korrekte Ausbildung der Hüfte behindern kann.
  • Das Material von Tragehilfen sollte weder zu nachgiebig (grobmaschiges "Netz") noch zu steif (Synthetik) sein (Vorsicht vor Einschneiden am Oberschenkel!). 
  • Auch aus psychologischen Gründen ist das Tragen mit dem Gesicht nach vorne nicht zu empfehlen:  Der Blickkontakt mit dem tragendem Elternteil ist nicht mehr gegeben, zudem kann sich das Baby nicht vor den zahlreichen visuellen Einflüssen abschirmen, sondern muss gebannt alles beobachten - bis es in den Schlaf fällt oder schlimmstenfalls zu schreien beginnt.

 

Tatsächlich gibt es ausser dem Tragetuch selbst nur wenige empfehlenswerte Tragehilfen. Einen guten Überblick (mit Auflistung der konkreten Marken und Modelle) gibt ÖKOTEST in seinem  Sonderheft Kinder, Ratgeber Schwangerschaft und Geburt. Frankfurt 2000, S. 24f: "Geborgen wie in Mutters Schoss- Test Tragehilfen"

Einzig und allein der noch völlig unbekannte MARSUPI PLUS+, eine Bauchtrage mit extra breitem Steg, die mit Klettverschluss geschlossen wird und blitzschnell anzulegen ist, bietet eine echte Alternative zum Tragetuch. Darin können wirklich schon Neugeborene gut gestützt senkrecht vor dem Bauch getragen werden.

Auch der "GLÜCKSKÄFER" und der WEEGO, in denen das Kind vor dem Bauch oder hinten auf dem Rücken getragen werden kann, kann guten Gewissens empfohlen werden.
Jedoch würde ich allen Eltern raten, ihr Baby erst dann senkrecht in einen solchen Sack zu packen, wenn es mindestens 4, besser noch 6-8 Wochen alt ist. 

Ausnahme: Der WEEGO PREEMIE ist speziell für Frühgeborene und kleine Babys konzipiert, die damit bereits ab einem Gewicht von 1400g eng am Körper getragen werden können - passt aber auch noch Kindern bis 14kg!

Bereits mit einem Alter von 4-5 Monaten können Kinder auch bedenkenlos in sogenannten KOMFORTTRAGEN
getragen werden.

Für noch ältere Kinder, die schon selbst sitzen können (und wirklich erst dann!) lohnt sich die Anschaffung einer guten Rückentrage mit Metallgestell:
Auch hier sind nur wenige Modelle empfehlenswert, ausnahmslos die Tragen der führenden Trekkingausstatter und Wanderrucksack-Hersteller wie WOLFSKIN, VAUDE, DEUTER, etc. 

 

Das Tragetuch selbst kann dagegen von Geburt an bis max. zum 3. Lebensjahr verwendet werden. Ein Tragetuch ist stufenlos verstellbar, klein zusammenlegbar, und kann je nach Alter des Kindes und Vorliebe der Eltern auf die unterschiedlichsten Weisen gebunden werden. 

Sie wollen noch mehr wissen?

Lesestoff: 

  Evelin Kirkilionis: Ein Baby will getragen sein. Alles über geeignete Tragehilfen und die Vorteile des Tragens. Kösel-Verlag. x. Auflage 2002

Renate Köhler: Die Kunst des Bindens - Das Buch zum Tragetuch (Eigenverlag)

Roch, Erika: Warum es gut ist, ein Baby zu tragen. Eigenverlag, 3. Auflage 2001

ÖKO-TEST-Sonderheft Kinder, Ratgeber Schwangerschaft und Geburt. Frankfurt 2000, S. 24f: Geborgen wie in Mutters Schoss- Test Tragehilfen

 

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Sie kennen Dr.med.Mabuse noch nicht?
Heft 148/2004 zum Thema
"Schwangerschaft und Geburt"---
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Stand: 04. Juli 2011

 
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